Der Hochgiftigen Zähmung – Aus dem gefährlichen Phosgen entwickelt der Chemiker Heiner Eckert den Feststoff Triphosgen

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»Forschen und erfinden«: Heiner Eckert hat sich seinen Traum erfüllt. Mit seinem Mitarbeiter Zheming Wang sucht er nach Wegen für eine einfachere Herstellung von Triphosgen.

Süddeutsche Zeitung , Nr. 200, 31. August 2006
Von Barbara Forro

In Autodächern ebenso enthalten wie in Fenstern

Garching • Autodächer, Fenster, CDs – der moderne Mensch kommt ohne diese Dinge kaum mehr aus. Gemeinsam haben diese Dinge außerdem, dass für ihre Herstellung Phosgen benötigt wird. Weltweit werden jährlich acht Millionen Tonnen Phosgen verbraucht. Der Nachteil von CCl2O: Das Gas ist hochgiftig. Im Ersten Weltkrieg fielen ihm zehntausende Menschen zum Opfer. Heiner Eckert vom Lehrstuhl für Organische Chemie 1 der Technischen Universität München war der Erste, der die Risiko-Chemikalie entschärfte.

»Ausgangspunkt war eigentlich meine Diplomarbeit, für die ich schon damals mit Phosgen gearbeitet habe«, sagt Eckert. Der Stoff konnte nur mit Vorsicht verwendet werden, vor allem beim Transport und bei der Lagerung. Das Einatmen des Gases verursacht Lungenembolien. Zwar hatten Forscher damals bereits den flüssigen Zwischenstoff Diphosgen entwickelt, doch der war Eckert immer noch zu gefährlich. Während seiner Promotion beschäftige ihn das Problem wieder, doch stieß Eckert diesmal recht schnell auf die dazugehörige Lösung.  »Es war eigentlich recht einfach: Man musste nur eine Molekülgruppe ersetzen.« Damit war der Feststoff Triphosgen (C3Cl6O3) entwickelt. Natürlich sieht es auf dem Papier simpler aus, als es in die Praxis umzusetzen ist.

Dennoch: »Triphosgen als Feststoff ist vermutlich der einzig wahre Ersatz für Phosgen«, sagt Eckert. Triphosgen ersetze in vielen Bereichen Phosgen: In der Bau- und Automobilchemie wird der benötigte Polyurethanschaum zum Dämmen, Isolieren und Kleben von Fenstern und Türen daraus gewonnen. Auch bei der Herstellung von Speichermedien wie CDs oder DVDs kommt man an dem Stoff nicht vorbei. Aus Phosgen wird Polycarbonat hergestellt, was wiederum für das glasklare Trägermaterial der Scheiben benötigt wird.

1984 meldete Eckert Triphosgen zum Patent an, wenig später gründete er die Dr. Eckert GmbH. »Von dem Sicherheitsgewinn sollten auch andere profitieren«, sagt Eckert. Die Produktion hielt sich damals noch in Grenzen: Einige hundert Kilo wurden in Hallbergmoos hergestellt. Heute sind es weltweit fünf Millionen Tonnen, der Großteil davon kommt aus China.

Kein Millionär geworden

Zum Millionär wurde Eckert durch das Patent und seine eigene Firma dennoch nicht.  »Die Patente in über vierzig Ländern anzumelden war wahnsinnig teuer.« Viele Firmen hätten das Patent auch umgangen. »Geld verdient man eigentlich eher über Beratungen, die man für die Firmen macht«, sagt Eckert. Zudem sei seine Arbeit damals eher verpönt gewesen: »Propagiert wurde nur die Grundlagenforschung.« Der damalige Dekan und heutige Präsident der TU, Wolfgang Herrmann, habe ihn und seine Idee jedoch sehr gefördert, wofür ihm Eckert heute noch dankbar ist.

Vor vier Jahren verkaufte Eckert dann seine Firma an die schweizerische Buss ChemTech, da eine größere Produktion in Hallbergmoos nicht möglich war. »Vielen Investoren, die einsteigen wollten, ging es nur um das schnelle Geld«, sagt er. Die Schweizer hätten jedoch Wert auf die Forschung gelegt. Daher blieb er den neuen Eigentümern als Berater erhalten. »Fortschritt entsteht doch nur durch Forschung und Wissenschaft«, sagt Eckert.

Dieser Erkenntnis bleibt er treu und peilt die nächste Stufe an: Eine Optimierung des Herstellungsweges, indem Triphosgen direkt aus Phosgen gewonnen wird. »Das wäre der Traum der Großchemie«, schwärmt er. Nach seiner Habilitation im vergangenen Jahr – natürlich über Triphosgen – strebt Eckert nun eine Professur an, um diesen Weg weiterverfolgen zu können. »Das war schon während des Studiums mein Traum: Forschen und erfinden.«

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